Home  > Aktuelles

Berlin Cures: Neuartige Therapie gegen die Ursache von Herzschwäche

Ascenion beteiligt sich an Ausgründung von Charité und MDC

5. November 2014, München – Mit Berlin Cures geht die erste gemeinschaftliche Ausgründung der Charité – Universitätsmedizin Berlin (Charité) und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin Berlin-Buch (MDC) an den Start. Das Unternehmen entwickelt ein neues Medikament – basierend auf einem sogenannten Aptamer – um chronische Herzschwäche ursächlich zu behandeln. Ascenion, Technologietransferpartner beider Einrichtungen, hat die Lizenz- und Beteiligungsverträge verhandelt und im Zuge dessen Anteile an Berlin Cures erworben.

Chronische Herzmuskelschwäche betrifft allein in Deutschland etwa 1,8 Millionen Menschen. Weitere 200.000 bis 300.000 kommen jährlich hinzu. Wie Wissenschaftler am MDC und der Charité in jahrelangen Forschungsarbeiten gezeigt haben, sind häufig Autoantikörper ursächlich an der Entstehung der Erkrankung beteiligt. Diese Antikörper sind bei rund 70% der Patienten im Blut nachweisbar. Sie binden an die ß1-adrenergen Rezeptoren auf Herzzellen, die üblicherweise von Adrenalin stimuliert werden, um bei Bedarf den Herzschlag zu erhöhen, zum Beispiel beim Sport oder in stressreichen Situationen. Anders als Adrenalin, das die Herzmuskeln nur dann anregt, wenn es physiologisch erforderlich ist, stimulieren die Autoantikörper die Herzaktivität kontinuierlich – völlig unabhängig vom Bedarf. Dadurch führen sie auf Dauer zu Schädigungen des Herzmuskels. Die Lebens­qualität der Betroffenen sinkt und die Gefahr eines Herztodes steigt signifikant.

Berlin Cures setzt mit seinem neuen Medikament genau hier an: Das Aptamer bindet die Autoantikörper sehr schnell und hochspezifisch und entfernt sie aus dem Blutkreislauf. Es konnte gezeigt werden, dass deren Elimination tatsächlich zu einer langfristigen Verbesserung des Gesundheitszustandes der Patienten führt. Allerdings wurde dafür ein Blutwäsche-Verfahren eingesetzt, das wegen des hohen Aufwandes und der hohen Kosten nur bei wenigen Patienten angewandt wird.

„Die Gabe des Aptamers ist ungleich einfacher und eleganter“, so Dr. Johannes Müller, Mit­gründer und Geschäftsführer von Berlin Cures. „Außerdem wissen wir aus klinischen Studien, bei denen dasselbe Aptamer in völlig anderem Kontext eingesetzt wurde, dass es sehr gut verträglich ist. Das macht unser Vorhaben besonders aussichtsreich und hochspannend“, so der Herzspezialist weiter.

Zur Finanzierung hat das Unternehmen die Schweizer Firma Minerva Partners AG für sich gewinnen können. Das Start-up wurde als AG nach Schweizer Recht aufgesetzt, mit einer Tochter-GmbH in Berlin, die die Forschungs- und Entwicklungsarbeit durchführt und die Zulassung des Medikaments steuert.

„In enger Zusammenarbeit mit Minerva Partners und unseren Kollegen an der Charité und dem MDC haben wir die Lizenz- und Beteiligungsverträge außer­gewöhn­lich schnell strukturieren und zum Abschluss bringen können“, so Dr. Christian Stein, Geschäftsführer von Ascenion. „Es wäre ein enormer Gewinn für sehr viele Men­schen, wenn sich der Ansatz von Berlin Cures in der klinischen Praxis bestätigen ließe, nicht zuletzt wegen seiner Einsatzmöglichkeiten in weiteren Krankheitsfeldern.“

Eine Anwendung des Aptamers ist überall dort denkbar, wo Autoantikörper gegen G-Protein-gekoppelte Rezeptoren eine Rolle spielen. Das ist z.B. bei bestimmten Lungenkrankheiten und neurologischen Erkrankungen der Fall.  

Bis Ende dieses Jahres will Berlin Cures sein Team in Berlin ergänzen, um die präklinische Entwicklung voranzutreiben. Ein Start klinischer Studien (Phase I/IIa) ist für Mitte 2015 geplant.###


Für Ascenion:
Dr. Susanne Letzelter
T: +49 89 318814-16
E: letzelter(at)ascenion(dot)de

Für Berlin Cures:
Dr. Johannes Müller
T: +49 172 310 312 5
E: jmueller(at)berlincures(dot)de

###

Über Berlin Cures

Die Berlin Cures GmbH ist ein Spin-off Unternehmen, das im September 2014 gegründet wurde, um eine erfolgreiche Forschungstätigkeit dem Markt verfügbar zu machen. Eine Gruppe von Wissenschaftlern aus dem Max-Delbrück-Centrum (MDC), der Charité Berlin und dem Deutschen Herzzentrum Berlin hat sich seit mehr als 10 Jahren mit der Bedeutung von Autoantikörpern für Erkrankungen des Herzens und anderen Autoimmunerkrankungen beschäftigt. Gerd Wallukat vom MDC hat diese Autoantikörper entdeckt und 1987 zum ersten Mal beschrieben. Diese Autoantikörper haben die besondere Eigenschaft, über einen ganz spezifische Signalweg (den sog. G-Protein gekoppelten Rezeptoren) Zellen zu stimulieren und ihnen pathologische Informationen zu geben, die sie in einer Weise aktivieren, dass entsprechende Organe langfristig erkranken. Den Wissenschaftlern ist nun gelungen, ein Medikament (Aptamer) zu finden, durch das die Autoantikörper im Blut des Patienten neutralisiert werden können. Die Wissenschaftler werden alle ihre Tätigkeiten in der Berlin Cures weiterführen, um mit ihrem Know-How die Zulassung des Aptamers zu unterstützen und weiter Erkrankungen zu eruieren, die durch die Autoantikörper induziert oder unterhalten werden. Die Idee, mit einem Aptamer Autoantikörper hochspezifisch zu binden, ist durch zwei Patente abgesichert, die für  Berlin Cures exklusiv zur Verwertung verfügbar sind. Berlin Cures wird von einem industrieerfahrenen Geschäftsführer mit zusätzlich ausgeprägter klinischer Erfahrung geleitet.

Über Ascenion

Die Ascenion GmbH ist ein IP Asset Management-Unternehmen mit besonderer Kompetenz in den Lebenswissenschaften. Ascenion berät und unterstützt öffentliche Forschungseinrichtungen beim Schutz und der Verwertung ihres geistigen Eigentums (Patente, Know-how, Materialien) und übernimmt die Anbahnung und Vermittlung von Lizenzverträgen zwischen Forschungseinrichtungen und Industrie. Ein besonderer Schwerpunkt von Ascenion ist das Coaching von Unternehmensgründern und das aktive Beteiligungsmanagement. Das Unternehmen wurde 2001 als 100%ige Tochter der LifeScience-Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Forschung gegründet und ist exklusiver Technologietransferpartner von 23 Forschungseinrichtungen der Helmholtz- und Leibniz-Gemeinschaft sowie der Charité, der Medizinischen Hochschule Hannover, des TWINCORE und der Universität zu Lübeck. Für diese vermarktet Ascenion mehr als 750 Technologien und schließt pro Jahr durchschnittlich 80 erlösbringende Verträge zwischen Forschung und Industrie. Das Team hat bereits mehrere Spin-offs begleitet und hält derzeit 27 Beteiligungen an diesen Unternehmen. Hauptsitz von Ascenion ist München. Weitere Geschäftsstellen sind in Berlin, Braunschweig, Hamburg, Hannover und Neuherberg. Weitere Informationen unter www.ascenion.de