Jahrzehntelang konzentrierte sich die genomische Diagnostik auf nur zwei Prozent unserer DNA – den Teil, der für Proteine kodiert. Der gesamte Rest, das „dunkle Genom“, ist bis heute kaum erforscht. Lucid Genomics, eine Ausgründung des Max-Planck-Instituts für molekulare Genetik und der Charité – Universitätsmedizin Berlin, setzt genau dort an.
Das Start-up wurde von Dr. Uirá Souto Melo und Dr. M-Hossein Moeinzadeh gegründet und baut auf wegweisenden Ergebnissen von Prof. Dr. Stefan Mundlos (Charité) und Prof. Dr. Martin Vingron (MPI) auf, die erstmals zeigen konnten, dass Mutationen in nicht-kodierenden DNA-Abschnitten krankheitsrelevant sein können. Doch genau diese Regionen sind besonders schwierig zu analysieren. Die Datenmengen sind riesig und mit Hintergrundrauschen behaftet, insbesondere, wenn Short-Read-Technologien genutzt werden.
Lucid Genomics hat eine KI-gestützte Plattform entwickelt, die aus solch undurchsichtigen Daten aussagekräftige Informationen macht. Daten aus Short-Read-Sequenzierungen werden zunächst „gesäubert“, sodass sie der Qualität von Long-Read-Ergebnissen entsprechen. Anschließend werden sie mit Hilfe von Machine Learning und einer umfassenden Wissensdatenbank interpretiert.
Die Plattform ist für Forschungszwecke verfügbar und hat international schon erste Kunden gewonnen. Gleichzeitig läuft der Zulassungsprozess, und Lucid Genomics führt Gespräche mit führenden Diagnostikunternehmen. Das langfristige Ziel: ein In-vitro-Diagnostikum, das die klinische Genomik grundlegend verändern könnte.
Unterstützt wurde das Gründungsteam von Ascenion und Max-Planck-Innovation. Beide halten Anteile am Unternehmen. "Wer über eine Gründung nachdenkt", so Uirá Souto Melo, "sollte Technologietransfer-Experten früh einbinden. Sie werden zu echten Mitstreitern und helfen, die Weichen richtig zu stellen."
(Jahresbericht 2024/25)
