Unsere Immunabwehr befindet sich in einem Gleichgewicht zwischen Abwehr und Toleranz. Hierbei sind T-Effektorzellen (Teff) für die immunologische Abwehr verantwortlich, und regulatorische T-Zellen (Treg) übernehmen die Toleranzregulation gegenüber dem eigenen Körper. Ein Ungleichgewicht in Richtung Teff hat schwerwiegende Folgen: Das unregulierte Immunsystem bekämpft den eigenen Körper bis zur Selbstzerstörung, wie z. B. bei Autoimmunerkrankungen.
In der Organtransplantation erhalten Patienten ein für das eigene Immunsystem fremdes Spenderorgan. Dieses wird als nicht-eigen erkannt. Eine Abstoßung des Organs kann nur infolge einer massiven Unterdrückung der Immunabwehr erreicht werden. Der Preis dafür ist eine deutlich höhere Anfälligkeit für Infekte oder gar Krebs.
Die Immunologen Dr. Fatih Noyan und Dr. Elmar Jäckel von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) setzen deshalb auf eine andere Strategie: Statt die Immunabwehr generell zu unterdrücken, wollen sie eine spezifische Toleranz gegenüber transplantierten Organen erreichen. Die Idee ist, Treg-Zellen so zu modifizieren, dass diese das Spenderorgan erkennen, dort einwandern und es vor Abstoßungsreaktionen schützen. Dafür haben die Immunologen zusammen mit Prof. Michael Hust von der TU Braunschweig einen chimären Antigenrezeptor (CAR) für Treg-Zellen entwickelt, der spezifisch für das Antigen HLA-A*02
ist. In Modellsystemen konnten sie zeigen, dass mit diesem Ansatz eine Abstoßung transplantierter HLA-A*02-positiver Organe verhindert werden kann, ohne das Immunsystem zu supprimieren.
„Unsere Hoffnung ist, dass wir unsere CAR-Treg-Zellen in den klinischen Alltag übertragen können. Das Ziel wäre eine drastische Reduktion der Immunsuppression nach CAR-Treg-Zellen-Transfer und somit eine höhere Lebenserwartung der Patienten. Aber auch das Langzeitüberleben des transplantierten Organs könnte deutlich gesteigert werden.“, so Dr. Noyan und Dr. Jäckel.
Ascenion hat die Patentanmeldung begleitet und die Verhandlung eines Lizenzvertrages zwischen der MHH, der TU Braunschweig und dem Londoner Unternehmen Quell Therapeutics unterstützt. Quell Therapeutics wird den Ansatz in enger Zusammenarbeit mit den Wissenschaftlern weiterentwickeln und klinische Studien vorbereiten und durchführen.
(Jahresbericht 2021/22)

